Prostataoperation überstanden – aber nun?
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Jetzt noch ein bisschen was Medizinisches: Nach einer Prostataoperation ist es üblich, einen sogenannten PDE 5-Hemmer (Tadalafil) in niedriger Dosierung abendlich verabreicht zu bekommen. Damit werden die nächtlichen Erektionen gefördert. Warum das gut ist? Es wird die Schwellkörpermuskulatur trainiert! "Use it or lose it", hatte schon Oswalt Kolle gesagt. Wenn man zu langen keinen Sex und keine nächtlichen Erektionen hat, kann es passieren, dass das Schwellkörpergewebe in funktionsloses Bindegewebe umgebaut wird. Das will man nicht! Das Schwellkörpergewebe braucht man für die Erektionsfähigkeit, es muss sich bei einer Erregung mit Blut füllen, auf diese Weise die Penisvenen zusammendrücken und so das eingeflossene Blut daran hindern, wieder abzufließen. Funktioniert das Schwellkörpergewebe nicht mehr, fließt das Blut zu schnell wieder ab: Die Erektion wird abgebaut, noch bevor sie richtig da ist. Vielleicht haben Sie schonmal den Ausdruck „venöses Leck“ gehört? Das ist genau das!
Ja und irgendwann sollten Sie sich trauen, wieder Sex zu haben. Viele Männer benutzen zu diesem Zweck dann einfach die normale Dosierung ihres PDE-5-Hemmers. Stellt sich eine leichte Erektion ein, könnten Sie als zusätzliche Hilfe einen Stauring benutzen. Ein Stauring ist ein Ring, der über den nicht ganz erigierten Penis gestreift und unten an der Schaftwurzel platziert wird. Er besteht einem festen Kunststoffmaterial, z. B. aus thermoplastischem Elastomer, welches durch die Hautwärme ein bisschen dehnbarer wird. Wenn mit fortdauernder Stimulation der Penis steif wird, verengt sich der Ring sozusagen und und drückt die oben liegenden Venen und damit das abfließende Blut ab. Dies sorgt für den Erhalt der Erektion.
Medizinische Stauringe kann man über das Internet bestellen (beispielsweise hier).
SKAT und Vakuumpumpe als Mittel zum Zweck
Wenn die Medikamente nicht funktionieren, sind eventuell doch die Nerven geschädigt. Dies kann auch andere Ursachen haben, wie etwa ein schwerer unbehandelter Diabetes. Früher gab es hier die Option SKAT, die aber nur noch selten eingesetzt wird. Dabei injiziert man sich selbst vor dem Geschlechtsverkehr mit einer Spirtze das gefäßerweiternde Medikament Alprostadil mit einer dünnen feinen Nadel in die Schwellkörpermuskulatur. Somit wird eine Erektion unter Umgehung der (geschädigten) Nerven aufgebaut.
Weniger martialisch ist die Vakuumpumpe. Hier wird ein durchsichtiger Zylinder über den Penis gestülpt, dann stellt das meist elektronisch betriebene System einen Unterdruck her. Dadurch füllen sich die Schwellkörper mit Blut und führen zu einer Versteifung des Penis. Anschließend wird ein Stauring über den Penisschaft gestreift, der die Erektion aufrechterhält. So ist eine normale Erektion wieder möglich ist, ohne Tabletten oder unerwünschte Nebenwirkungen. Mehr dazu hier.
Übrigens: All diese Hilfsmittel müssen kein Dauerzustand sein. Aber zu schnell sollten Sie sie auch nicht absetzen. Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis die Potenz wiederkommt – das beschriebene Training vorausgesetzt.
Bei all diesen Sachen ist ein weiterer Punkt sehr wichtig: Die Kommunikation mit der Partnerin oder dem Partner. Denn eines ist klar: Nach einer solchen Operation verändert sich einiges. Vor allem muss ein Mann sein Bild von Männlichkeit auf den Prüfstand stellen. Was macht wirklich einen Mann aus? Ist es tatsächlich vor allem die Erektion und das damit verbundene Penetrationsvermögen? Lässt sich Männlichkeit darauf reduzieren?
Sie merken an meiner Art zu fragen, dass ich nicht dieser Meinung bin. Sexualität ist ein Miteinander. Doch zwischen den Partnern haben sich oft Rollen eingespielt, die schwierig zu verändern sind. Auch kann es bei einem Mann zu einem Gefühl der (vermeintlichen) Erniedrigung führen, wenn er um Hilfe bitten muss. Es ist schwierig. Viel Mut ist auf der einen Seite vonnöten und viel Initiative und Verständnis vom Gegenüber, um die Sexualität auf einer neuen Ebene fortzuführen.
Hilfreich ist es auf jeden Fall, die Situation einmal ganz offen und ehrlich mit einem Paartherapeuten oder einer Sexualtherapeutin zu besprechen und gemeinsam neue Wege zu suchen.